IV 5) Karma sowie Geburt und Wiedergeburt in naturwissenschaftlich-mathematischer Sichtweise:
Diese Thematik mal kritisch, naturwissenschaftiich-mathematisch betrachtend ist unschwer festzustellen:
i) Ein erster Ansatz, ausgehend vom Phänomen des Träumens:
* Menschen (auch Tiere,..) träumen nunmal des nachts.
Schon René Descartes stellte in seine "Betrachtungen über die Grundlagen der Philosophie" u.a. folgendes klar:
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Erste Meditation
Woran man zweifeln kann.
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5. Alles nämlich, was ich bisher am ehesten für wahr angenommen, habe ich von den Sinnen oder durch Vermittelung der Sinne empfangen. Nun aber bin ich dahinter gekommen, daß dieses uns bisweilen täuschen, und es ist ein Gebot der Klugheit, niemals denen ganz zu trauen, die auch nur einmal uns getäuscht haben.
6. Indessen ― mögen uns auch die Sinne mit Bezug auf zu kleine und enfernte Gegenstände bisweilen täuschen, so gib es doch am Ende sehr vieles andere, woran man gar nicht zweifen kann, wenn es gleich aus denselben Quellen geschöpft ist; so zB, daß ich jetzt hier bin, daß ich mit meinem Winterrocke angetan, am Kamin sitze, daß ich dieses Papier mit den Händen betaste und ähnliches; vollends daß eben dies meine Hände, daß dieser gesamte Körper der meine ist, wie könnte man mir das abstreiten? Ich müßte mich denn mit ich weiß nicht welchen Wahnsinnigen vergleichen, deren Gehirn durch widrige Dünste infolge schwarzer Galle so geschwächt ist, daß sie hartnäckig behaupten, sie seien Könige, während sie bettelarm sind, oder in Purupur gekleidet, während sie nackt sind, oder sie hätten einen tönernen Kopf, oder sie seien überhaupt Kürbisse oder aus Glas; ― aber das sind eben Wahnsinnige, und ich würde ebenso wie sie von Sinnen zu sein scheinen, wenn ich das, was von ihnen gilt, auf mich übertagen wollte.
7. Vortrefflich ― Als ob nicht ein Mensch wäre, der des Nachts zu schlafen pflegt und dem genau dieselben, oder bisweilen noch weniger wahrscheinliche Dinge im Taume begegnen, wie jenen im Wachen?! Wie oft doch kommt es vor, daß ich alle jene gewöhnlichen Begegnisse, wie daß ich hier bin, daß ich, mit meinem Rocke bekleidet, am Kamin sitze, mir während der Nacht-Ruhe einbilde, während ich doch entkleidet im Bette liege! ― Aber jetzt schaue ich doch sicher mit wachen Augen auf dieses Papier, dies Haupt, das ich hin und her bewege, so ist doch nicht im Schlaf, mit Vorbedacht und Bewußtsein strecke ich meine Hand aus und fühle das!
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Erste Meditation
Woran man zweifeln kann.
Im Schlafe würde mir das doch nicht so deutlich entgegentreten! ― Als wenn ich micht nicht entsänne, daß ich auch sonst durch ähnlche Gedankengänge im Traume irregeführt worden bin! Denke ich einmal aufmerksamer hierüber nach, so sehe ich ganz klar, daß niemals Wachen und Traum nach sicheren Kennzeichen unterschieden werden können, ― sodaß ich ganz betroffen bin, und diese Betroffenheit selbst mich beinahe in der Meinung bestärkt, daß ich träume.
8. Sei es denn: wir träumen! Mögen wirklich alle jene Einzelheiten nichtwahr sein, daß wir die Augen öffnen, den Kopf bwegen, die Hände austrecken; ja, mögen wir vielleicht gar keine solchen Hände, noch überhaupt einen solchen Körper haben:
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Descartes, René, "Meditationen über die Grundlagen der Philosophie", in dritter Aulage, neu übersetzt und mit ausführlichen, auf Decartes' eigene Schriften gestützten, Kommentar herausgegeben von Dr. Artur Buchenau, Leipzig, Verlag der Dürr'schen Buchhandung, 1904, Kapitel
"Erste Meditation - Woran man zweifeln kann", Seite 2/3
In der neueren Übersetzung von Dr. Fischer findet man es auf Seite 31 (siehe: [23])
Kurzum, alles was einem im Wachsein begegnen kann, kann einem auch im Traum begegnen. (... René Descartes zweifelt, gemäß seines Ansatzes, dann auch noch daran, ob Wachsein nicht doch wirklich zu realeren Empfindungen & co führe...).
Daraus folgt erstens, daß diese Welt auch eine Art Traum sein könnte und ein Phänomen von einem Bewußtsein - jenseits von Wachen, Träumen und Schlafen - ist. (Wenn doch alles, was einem im Wachen begegnen oder auch widerfahren kann, doch auch im Traumzustand "ablaufen" kann, so ist s nunmal nicht auszuschließen, daß diese Welt, die man für die Welt des Wachens hält "nur" eine Traumwelt wäre/ist.)
Wenn denn diese Welt eine Art Traum ist/wäre, so folgt aus der "Existenz" von Leiden in dieser Welt, nie&nimmer (entgegen jenes Arguments von Herrn Gregor Gysi, das er mal in einer Sendung mit Maybritt Illner vor einer Bundestagswahl als Beweis für die Nicht-Existenz Gottes, anführte und das sich mit Argumenationsweisen des Prof. Walter Ruben in seinem Buch "Geschichte der indischen Philosophie, VEB-Verlag, 1954. Siehe etwa: Seite 97 unten und die folgenden Seiten) die Unmöglichkeit einer Existenz Gottes. Gott wüßte nunmal die Wahrheit über die Natur dieser Welt und wenn es denn eben eine Art Traumwelt wäre, wäre das Leiden nunmal nicht real und es gäbe keinerlei zwingende, absolute Notwendigkeit für Gott, jenes - irrtümlich für real gehaltene Leiden - aus der Welt schaffen zu müssen.
Festzustellen war also bis hierher:
i) Diese Welt könnte auch eine Art Traum sein und insofern ein Phänomen von einem Bewußtsein jenseits der 3 bekannten Arten von Bewußtsein, nämlich jenseits von Wachen, Träumen und Schlafen und somit, formal gesagt, einem "Vierten".
ii) Die Un-Möglichkeit der Existenz Gottes läßt sich - und dies ist eine zweite Feststellung - nicht begründen und insofern könnte es nunmal Gott geben.
Ist/wäre jedoch diese Welt eine Art Traumwelt, so hieße das in der Analogie zu Wachen, Träumen und Schlafen, daß nach einer "Schlafperiode" zu erwartenderweise erneut eine Traumphase kommen wird und nach einer Periode des Wachseins wieder eine Periode des Schlafens folgen wird.
Diese Erfahrung von Wachen, Schlafen und Träumen lehrt daher, daß es Geburt und Wiedergeburt geben könnte, nachdem diese Welt bereits als "eventuell eine Art Traum, eine Art Bewußtseinsphänomen" erkannt wurde.
Geburt und Wiedergeburt wäre eben nichts Anders als ein Abwechslung von Traumphasen inmitten einer Abfolge von Wachen, Schlafen und Träumen.
So wie René Descartes berichtet, daß er mal geträumt habe, im Tagesrock vor dem Ofen zu sitzen und zu arbeiten, obwohl er im Bett lag und das Wachsein leidglich träumte, genauso könnte René Descartes in einer nachfolgenden Traumphase geträumt haben, daß er als Lehrer an einer Tafel steht und Mathematik lehrt, oder doch wieder das Pariser Nachleben aufgenommen habe, dem er zuvor entflohen war, um philosophisch weiterzukommen. (Siehe ad "Pariser Nachtleben" , Seite 7 in [23]).
Solcherart kann man sich nunmal Geburt und Wiedergeburt vorstellen und aus den eigenen Erfahrungen des Wachens, Träumens und Schlafens samt etwas abstrakt, objektiv, ohne religiösem Aufwand darüber Nachdenkens, folgt nunmal daß es "Geburt und Wiedergeburt" geben könnte und man es vernünftigerweise einfach nicht auschließen kann, sondern als Möglichkeit in Betracht zu ziehen ist. Dies ist eine dritte Feststellung.
Festzustellen ist somit bis hierher:
i) Diese Welt könnte auch eine Art Traum sein und insofern ein Phänomen von einem Bewußtsein jenseits der 3 bekannten Arten von Bewußtsein, nämlich jenseits von Wachen, Träumen und Schlafen und somit, formal gesagt, einem "Vierten".
ii) Die Un-Möglichkeit der Existenz Gottes läßt sich nicht begründen und insofern könnte es nunmal Gott geben.
iii) Es könnte Geburt und Wiedergeburt geben; es ist nicht auszuschließen, daß es das gibt und vernünftgerweise wird man es - betreffs des eigenen Handelns - angemessen berücksichtigen.
Karma-Gesetz?
Nun zeigt die Erfahrung, daß bestimmten Taten "schlechte Träume" nachfolgen, ja u.U. sogar Alpträume.
Formal heißt dies, daß das Tun im Alltag, das tagtägliche Handeln eine Auswirkungen haben kann auf Träume.
Übertragen auf "Die Welt könnte eine Art Traum sein" und "Geburt und Wiedergeburt" könnte es so ähnlich geben wie eine Abfolge von Wachen, Schlafen und Träumen, erhält man als nicht auszuschließende Möglichkeit ein "Gesetz des Tuns" - betreffs der aktuellen Welt und des momenanen Lebens - , das eine Auswirkung hat auf eine oder auch die nachfolgenden "Geburten".
(Auch ein Problem, bezeichnet als "Traumata" im Bereich von Militär, Flucht vor Bürgerkrieg, usw ist nunmal bekannt.
So können etwaige schlechte Erfahrungen in einem Leben dazu führen, daß man im nächsten Leben bestimmtes Tun zu unterlassen vorzieht, weil man davor einfach zurückschreckt.
Andererseits vergessen Menschen, erfahrungsgemäß, auch wieder negative Erfahrungen, etwa "Sportunfälle" und nach einer Weile treiben sie wieder in hazadeurhafter, d'raufgängersicher Weise Sport, was viel Raum für eine neuerliche negative Erfahrung bietet.
So ergibt sich viertens dann, daß ein falsches Tun in einem Leben zu schlechten Ausgangslagen, gewissen widerlichen Umständen nach einer Widergeburt auswirken könnten.
Die indische Bezeichnung für Handlung ist nunmal "Karma" und dann heißt es so:
"Die Möglichkeit des Bestehens und Wirkens eines Gesetzes des Karma, das auf die Qualiät späterer Wiedergeburten einen Einfluß hat, ist nicht auszuschließen; sowas könnte es nunmal geben."
So hat man nun also 4 Möglichkeiten als erkannt anzusehen; und festzustellen ist somit bis hierher:
i) Diese Welt könnte auch eine Art Traum sein und insofern ein Phänomen von einem Bewußtsein jenseits der 3 bekannten Arten von Bewußtsein, nämlich jenseits von Wachen, Träumen und Schlafen und somit, formal gesagt, einem "Vierten".
ii) Die Un-Möglichkeit der Existenz Gottes läßt sich nicht begründen und insofern könnte es nunmal Gott geben.
iii) Es könnte Geburt und Wiedergeburt geben; es ist nicht auszuschließen, daß es das gibt und vernünftgerweise wird man es - betreffs des eigenen Handelns - angemessen berücksichtigen.
iv) Es könnte ein Gesetz des Karma geben. Die Möglichkeit des Bestehens und Wirkens eines Gesetzes des Karma, das auf die Qualiät späterer Wiedergeburten einen Einfluß hat, ist nicht auszuschließen; sowas könnte es nunmal geben."
Nachdem bereits eingangs zu diesen Überlegungen festzustellen war, daß es außer Wachen, Träumen und Schlafen noch jenes "Vierte" geben könnte (welches, sowohl in der Mandukya-Upanishade und Gaudapada's Kommentar dazu , als auch in den Shivasutren als "Turiya" bezeichnet wird.), folgt, daß es aufgrund des Bewußtseins-Seins jenes Turiyas, jenes Vierten eine gewisse Erkenntnis geben könnte welche einem Lebewesen die Natur dieser Welt samt Einblick in Geburt&Wiedergeburt die Natur des Leidens und den Ausweg aus dem Leiden gewährt. Insofern erhält man als Fünftens, daß es einen Ausweg aus dem Leiden vermöge jenes Vierten, jenes Turiya, dessen erfahren/erleben auch als "Samadhi" bezeichnet wird, geben könnte.
Sehr schön findet man das auch von Buddha in "Die vier edlen Wahrheiten" zusammengefaßt und ausgedrückt:
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Die vier edlen Wahrheiten der Buddhisten handeln vom Leiden, von der Entstehung des Leidens, von der Aufhebung des Leidens, vom Wege zur Aufhebung des Leidens.
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Seite 235 in [33], dh in "Buddha, Sein Leben Seine Lehre, Seine Gemeinde" von Hermann Oldenberg, siebente Auflage, Stuttgart und Berlin 1920, J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
Auch "Die vier heiligen Wahrheiten", im Buch "allgemeine Geschichte der Philosophie", Bd I.3 von Professor Paul Deussen. [37], Seite 147 - 156, sei hier extra erwähnt. Sehr interessant ist an Professor Deussen's Ausführungen auch die Gegenüberstellung zur Lehre des Samkya, wo man eine rationale Einteilung von 3 Arten des Leidens habe:
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Die vier Abschnitte, in welche der Text sich zerlegt, enthalten nicht eine logische Zergliederung des Begriffes des Leidens, etwa in der Art wie sie den Ausgangspunkt der Sânkyaphilosophie bildet, wenn sie als die drei Arten des Leidens das durch uns selbst, durch andere Wesen und durch das Schicksal über uns verhängte Leiden bezeichnet;
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Seite 149 in [37], dh in: Prof. Paul Deussen, "Allgemeine Geschichte der Philosophie I.3", 4. Auflage, Leipzig, F.A. Brockhaus, 1922
Betreffs seines Buches "Die vier edlen Wahrheiten" von Prof. Klaus Mylius [29], schreibt Professor Mylius auf Seite 53:
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Die Übersetzung der dieser Anthologie zugrunde liegenden Pāli-Texte stellt sich keine Nachdichtung zum Ziel, sondern will dem Leser eine Wiedergabe von höchstmöglicher Genauigkeit bieten. Daher wurden Ergänzungen, die aus semantischen oder stilitischen Gründen notwendig waren, durch Einklammerung gekennzeichnet.
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Seite 53 in [29], dh in:
"Die Vier Edlen Wahrheiten", Klaus Mylius, Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig, 1983
Nach diesem kurzen Ausflug in die Welt der, zum Thema gehörigen, Literatur nun zurück zum Gedankengang:
Somit ist, zusammengefaßt ausgedrückt, folgende Situation als Ausgangspunkt für das Finden einer naturwissenschaftlich-mathematischen Lösung bzw Antwort festzustellen:
1. Diese Welt könnte auch eine Art Traum sein und insofern ein Phänomen von einem Bewußtsein jenseits der 3 bekannten Arten von Bewußtsein, nämlich jenseits von Wachen, Träumen und Schlafen und somit, formal gesagt, einem "Vierten".
2. Die Un-Möglichkeit der Existenz Gottes läßt sich nicht begründen und insofern könnte es nunmal Gott geben.
3. Es könnte Geburt und Wiedergeburt geben; es ist nicht auszuschließen, daß es das gibt und vernünftgerweise wird man es - betreffs des eigenen Handelns - angemessen berücksichtigen.
4. Es könnte ein Gesetz des Karma geben. Die Möglichkeit des Bestehens und Wirkens eines Gesetzes des Karma, das auf die Qualiät späterer Wiedergeburten einen Einfluß hat, ist nicht auszuschließen; sowas könnte es nunmal geben."
5. Vermöge jenes Vierten - auch Turiya genannt und in den Zustandsein als Samadhi bezeichnet, könnte es einen Ausweg aus dem Leiden geben.
(Ausführlicheres oder auch Genaueres zum Thema "Karma, Geburt&Wiedergeburt, Traum&Wirklichkeit" siehe im Menüpunkt "Traum und Wirklichkeit" ; https://www.schulerlebnis--91-19i.bayern/traum_und_wirklichkeit.html und dort im Unterabschnitt "II) Einige weiterführende Verständlichmachungen: ...
b) In 1 Nacht eine ganzes Lebens träumen?" )
Zu Punkt 5 sei noch Professor Deussen aus seinem Buch "allgemeine Geschichte der Philosophie", Bd I.3 von Professor (siehe [37]) zitiert:
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Über den wunderbaren Gedanken der Erlösung, über seinen Ursprung und seine hohe, philosophische Bedeutung, haben wir bei der Darstellung der Upanishadlehre oben I,2, S. 305 - 325 eingehend gehandelt. Wir sahen, daß dieser Gedanke nirgends reiner als in der indischen Philosophie erscheint, nach welcher die Erlösung nicht etwas ist, was zu bewirken oder zu erreichen wäre. Denn sie besteht in der Erkenntis der Identität des eigenen Ich mit dem Âtman oder Brahman; diese Identität aber ist von jeher tatsächlich vorhanden, braucht somit nicht erst bewirkt, sondern nur erkannt zu werden. Auf diesem Standpunkt stehen im allgemeinen auch die Texte des Mahâbhârâtam.
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Seite 109 und 110 in [37], dh in: Prof. Paul Deussen, "Allgemeine Geschichte der Philosophie I.3", 4. Auflage, Leipzig, F.A. Brockhaus, 1922
Da findet sich in jedem der 5 Punkte jenes Wort "könnte".
Mathematisch betrachtet gehören solche Aufgabenstellungen in den Bereich der "Entscheidungstheorie", "Spieltheorie" bzw "Vektoroptimierung". Je nach Ausgangssituation läßt es sich spieltheoretisch angehen oder aber es ist "Vektoroptimierung" angemessen.
Es geht somit um die Suche nach "vernünftigen Strategien" für alle und nicht um faule Ausreden dafür, daß der Eine in einer wohlhabenden Familie zur Welt kommt und ein Anderer in einer armen Familie.
Ein "Nach mir die Sintflut" kann angesichts der 5 zu brücksichtigen Aspekte der gegebenen Ausgangsituation nicht als sinnvolle Strategie betrachtet werden.
Man wird bei einer Lösung angelangen, wonach man in guter Weise Wissen und Fähigkeiten erwirbt und diese zum Guten in der Welt und aller ihrer Geschöpfe anwendet. Dabei hat man eben 2 Möglichkeiten: Einerseits das Wissen über diese Zusammenhänge, diese Überlegungen und der Überlieferungen dazu und andererseits auf praktische Tätigkeiten der Unterhaltssicherung in der aktuellen Lebens-Situation bezogenes Wissen.
Anmerkung:
Auf Aspekte der Beziehung von Schlaf, Traum, Wachen und Wirklichkeit geht die Mandukya-Upanishad ein; es gibt zu dieser Upanishade sowohl einen Kommentar von Gaudapada (= Gaudapadacharya) als auch von Shankara.
(Betreffs "Online"-Lesbarkeit: Siehe dazu etwa:
https:/ /www.yoga-vidya.de/Yoga--Buch/Upanischaden/Mandukya12.htm
oder ausführlicher auch:
bzw:
http:/ /12koerbe.de/hanumans/mandukya.htm
(Beide Links waren zu fanden sich unter https:/ /www.bsb-muenchen.de
per Suchbegriff "Paul Deussen"; diese Hinweise waren auch noch am 29.1.2023 zu finden.)
oder auch ausführlicher:
https://klassische-indische-texte-91-19i.de/mandukya_upanishad_und_gaudapada_s_karika.html
Eine Übersetzung von Shankara's Kommentar findet man in einem Werk vom Swami Nikihalanda. Ich habe das mal ins Deutsche übersetzt; aber die Rechtsfragen betreffs Online-Stellung sollte/muß ich erst noch irgendwann mal klären.)
Auch in Sureshwaracharya's Kommentar "Manasollasa" zu Shankara's Stotra "Dakshinamurti" werden Überlegungen zu diesem Thema gegeben. (Ein Schüler von Shankara war Vartika Kara, der auch Sureshwaracharya genannt wird. Dieser war der erste Shankaracharya von Sringeri Math; siehe dazu etwa in Englischer Sprache https:/ /sringeri.net/ ).
(Ausführlicher siehe in "Traum und Wirklichkeit")
ii) Es gibt dazu noch einen anderen Ansatz, nämlich mittels der speziellen Relativitätstheorie des Ehepaars Einstein:
Das geht wie folgt:
In der Physik ist die "spezielle Relativitätstheorie" des Ehepaar Einstein (s. dazu Gerthsen, Exprimentalphysik, zB 19.'te Auflage) mehrfach als passend bestätigt worden.
In 9km Höhe, entstehen per der Sonnenstrahlung Elementarteilchen names "Myonen", die eine sehr kurze Halbwertszeit haben und auf dem Erdboden daher eigentlich nur in sehr geringer Anzahl anzutreffen sein dürften. Wieso trifft man dann aber doch mehr an? Diese Myonen haben per ihrer Entstehung nunmal eine Geschwindigkeit mit einem sehr hohen Prozensatz der Vakuumlichtgeschwindigkeit und wegen der "Zeitdilatation" vergeht die Zeit für diese langsamer.
vgl.: Seite 630/631, "Gerthsen Physik", Dieter Meschede, 24. überarbeitete Auflage, Springerverlag, August 2010, ISBN: 978-642-12893-6, e-ISBN: 978-3-642-12894-3;
Man findet in diesem Buch auch das scheinbare Zwillings-Paradoxon beschrieben.

Meine Schlußfolgerung daraus:
Stellt man sich diese Myonen mal als "Lebewesen" vor, so würde so ein in 9km Höhe entstandenes Myon mehrere "Leben" eines auf dem Erdoberfläche irgendwie verweilendes Myon träumend völlig realistisch "durchleben" können.
Auch GPS udgl funktionieren nur so genau wie sie funktionieren, weil "relativistisch" gerechnet wird.
Ganz analog zu obigem, könnte es nunmal ein Sonnensystem B geben, das dem Unsrigen Sonnensystem A ganz ähnlich wäre; allerdings bewege sich dieses Sonnensystem B nahe genug an der Vauumlichtgeschwindigkeit.
Aha, dann vergeht die Zeit dort so langsam, daß man in 1 Traumphase dort locker 100 Erdenjahre in allen Details würde geträumt haben können; wacht man in B auf, wäre es der Tod in A. Dabei könnte das - geträumte - Leben in A durchaus wichtige ("prophetische") Lehren für das weitere Leben in B enthalten können.
Die Rechnung dazu im Schulbuchstil:
Soll T‘ = T/100 = T*00,1 sein, so ergibt sich gemäß obiger Umformung des Gesetzes der Zeitdilatation:
v² = c² * 1 - [(0,01*T)/T)]²
v² = c² * {1 - [(T/100)* (1/T)]²}
(Bruch* Bruch wird gerechnet gemäß Zähler * Zähler geteilt durch Nenner * Nenner )
v² = c² * {1 - [(T*1) / (100*T)]²} (Kürzen durch T)
v² = c²* {1 - (1/100)²} (... (a/b)² = a²/b² ...)
v² = c²* {1 - (1²/100²)}
v² = c²* {(10000 -1)/10000)}
(Wurzel aus a geteilt durch b = Wurzel aus a geteilt durch Wurzel aus b)
v² = c²* 9999/10000
„Geteilt durch a“ ist dasselbe wie „mal (1/a)“ ergibt:
v² = c² * 9999* (1/10000)
Wegen des Assoziativgesetzes der Multiplikation ergibt sich:
v² = (c² * 9999) * (1/10000)
Wegen 100²= 10000 und ausrechnen a²/b² = (a/b)² ergibt sich:
v² = (c²* 9999) * 1/100²
v ergibt sich als Produkt der Vauumlichtgechwindigkeit c mit der Qudratwurzel aus 9999 multipliziert mit 1/100
Da a/100 nichts anders ist als a% (nur andere Schreibweise bzw die Definition von Prozent), ergibt sich daher:
v als die "Quadratwurzel aus 9999" % von c
Die Quadratwurzel aus 9999
erhält man zB per Intervallschachtelung:
99 * 99 = 9801 < 9999 < 100²
99,9 * 99,9 =9980,01 < 9999 < 10000
99,99 * 99,99 = 9998,0001 < 9999 < 10000
Mit 9999 < 99,999 * 99,999 = 9999, 800001
ergibt sich schließlich:
99,994² < 9999 < 99,995²
mit 99,994² = 9998,800036
und 99,995² = 9999,000025 hat man nunmal:
9998,800036 < 9999 < 9999,000025
und somit liegt die Quadratwurzel aus 9999 zwischen 99,994 und 99,995.
Das kann man mit einem Taschenrechner nachrechnen
Folglich liegt die gesuchte Geschwindigkeit v (des Sonnensystems B) zwischen 0,99994*c und 0,99995*c
anders formuliert:
v liegt zwischen (99,994/100) *c und (99,995/100) * c
Es gilt:
x/100 = x% wegen der Definition von Prozent; daher gilt:
99,994% * c < v < 99,995 % *c
Die gesuchte Geschwindigkeit für das Sonnensystem B liegt also wzsichen 99,994 Prozent und 99,995 Prozent der Vakuumlichtgeschwindigkeit.
Bei einer Geschwindigkeit von 99,995% der Vakuumlichtgeschwindigkeit des Sonnensystems B werden dort wenig etwas weniger als 1 Jahr vergehen, während auf Erden 100 Jahre vergangen sein werden.
Analog rechnet man eine Geschwindigkeit aus, wo im Sonnensystem B dann ca 1/4 Stunde vergehen und im Sonnensystem A dahier ziemlich genau 100 Jahre.
Ein Jahr hat ca 365, 25 Tage.
Ein Tag hat 24 Stunden
1 Traumphase dauert so zwischen 15 und 20 Minuten; gehen wir mal von 15 Minuten, dh 1/4 Stunde aus.
Damit in 1 Traumphase so in etwa 100 Erdenjahre in allen Details geträumt werden könnten, reicht es nicht, daß man
T‘ = (1/100)*T ansetzt.
Was muß dazu errechnet werden?
Auf Erden sollen in 1 Traumphase 100 Jahre vergehen.
1 Jahr hat nunmal 365,25 Tage (365,25 wegen der Schaltjahre)
1 Tag hat 24 Stunden, also 1 Jahr hat 365,25 * 24 Stunden.
1 Stunde hat 4 Viertelstunden Stunde).
1 Jahr hat daher:
365,25 * 24 * 4 Viertelstunden.
Es müßte gelten: T‘ = [1/(100 * 365,25 * 24 * 4)] * T
= T/(100 * 365,25 * 24 * 4)
Setzt man eine höhere Geschwindigkeit an als nötig wäre, würden im Sonnensystem B lediglich weniger als 1 Jahr vergehen, wenn auf Erden 100 Jahre vergehen.
(Das ergibt sich direkt aus der Formel für die Zeitdilatation)
Umgekehrt ist es so, daß wenn ich also von einem T', dh der Zeit im Sonnensystem B, ausgehe, welches unnötig klein gewählt wird als zB nicht nur T/ (100* 356,25*24*4)
sondern sogar T/(100* 400* 25 * 4) als Anzahl der „Viertelstunden“ in 1 Jahr (...der Nenner wird größer gemacht und somit wird die Zahl kleiner...), so ergäbe sich als nötige Geschwindigkeit für das Sonnensystem B allenfalls eine etwas zu hohe Geschwindidigkeit.
Anders gesagt, man würde allenfalls zB ein 105-Jahre währendes Leben im Sonnensystem A, daher der Erde dahier träumen statt nur des 100 jährigen Lebens.
Für das Prinzip, um welches es nunmal geht, ist das aber ganz und gar dann kein Nachteil.
Mit T/ [100* 400* (25 *4)] läßt es sich aber per Hand bequemer rechnen:
Wegen 400 = 4*100, 25 * 4 = 100 sowie 10*10=100 und dem Kommutativ- und Assoziativgesetz der Multiplikation ergibt sich:
100* 4*100 * 100 = (2*2) * (100*100) * (10*10)
= 2*2 * (100*10)*(100*10) = 2*2* 1000*1000
T‘ ist anzusetzen als T/ 4 000 000)
Statt mit T‘ = T/100 zu rechnen, muß also T‘ = T/(4 000 000) eingesetzt werden.
und für
v² = c²* [1- (T’/T)²] = c² * [ 1- (T’)²/ T²]
ergibt sich:
v² = c² { 1 - [(T / 4 000 000)² / T²)] }
= c² * {1 - [1/(4 000 000²)]}
= c² * {1 - 1/ 16 000 000 000 000}
= c² { (16 000 000 000 000 - 1) / (16 000 000 000 000)
= c² * 15, 999 999 999 999/ 16 000 000 000 000
v ist dann die Quadratwurzel aus
15 999 999 999 999 geteilt durch 4 000 000
Anders gesagt v wird sich als "Quadratwurzel aus 15 999 999 999 999 geteilt durch 40 000" % der Vakuumlichtgeschwindigkeit ergeben.
Da wird die Intervallschachtelung dann eben etwas länglicher; aber im Prinzip ändert sich nichts.
Ausgerechnet ergibt sich ca 99, 9999999999969 % der Vakuumlichtgeschwindigkeit.
Bewegt sich das Sonnensystem B mit ca
99,999999999999% der Vakuumlichtgeschwindigkeit, so würden in einer einzigen 15-minütigen Traumphase auf der Erde im Sonnensystem B auf der Erde dahier, dh der Erde im Sonnnsystem A ziemlich genau 100 Jahre vergehen.
So würde man im Sonnensystem B während einer einzigen Traumphase bequem ein ganzes 100-jähriges Leben am Ende in allen Details geträumt haben können.
In einem ähnlichen Sonnensystem C, das noch (passend) näher der Vakuumlichgeschwindigkeit sich bewegen würde, wäre es in Bezug auf B nun jedoch wieder genauso, usw.
So betrachtet ergibt sich, daß diese ganze Welt ein "Samsara" wäre, eine Welt des schier endlosen Träumens eines Lebens alà ua eines 100-jährigen Erdenlebens, dann dem Tod in jenem Traum, was - nunmal so betrachtet - das Aufwachen in einem Planetensystem B wäre (also, abstrakt betrachtet, wirklich auch sein würde können), dann aber auch wiederum Tod im Sonnensystem B, was aber lediglich ein Aufwachen im Sonnensystem C nunmal sein könnte, usw; es wäre eine Welt des Werdens und Vergehens; der Tod in der einen Welt A, wäre das Aufwachen in einer anderen Welt B, der Tod in der Welt B wäre das Aufwachen in der Welt C, usw usf.
Die Frage, die sich ergibt ist die Frage nach "Ja, gibt's den gar keinen Ausweg aus diesem Samsara, aus dieser Folge von Leben, die sich immer wieder als Träume heraustellen würden (abstrakt gesehen nunmal auch wirklich als das heraustellen würden können)"?
Man sieht diese physikalisch eingehende Betrachtung der Welt führt geradewegs zu einem Weltbild, das dem des Buddha (aber auch Shankara, Dschuang Dshi - Schmetterlingstraum - und Anderen) zumindest auffallend ähnelt.
Siehe zB auch: Seite 157 im 3. Buch von "Meister Yüan-Wu's Niederchrift der smaragdenen Felswand" von Bü-Yan-Lu, Ullstein-Buch 35156; vermutlich verfaßt von Tän-tai-Schan im 9'ten Jahrhundert n. Chr. in Japan.
Auch die resultierende Frage ist jene des Buddha, Shankara und Anderer gewesen.
Ok, interessant ist es nun festzustellen, daß zB die r.-kath.-christliche Lehre - ausgehend von anderem Ansatz - die ist, daß es auf die "friedliche Lösung" aller Probleme ankomme, daß es anders keinen Ausweg aus den Problemen der Welt geben werde.
Die zB r.-kath. Kirche kommt zu einer klaren Absage an Terrorismus und Gewalt als Mittel der Probleme-Bewältigung. Sowie die spezielle Relativitätstheorie nicht induktiv, dh aus Beobachtungen hergeleitet wurde, sondern aus einer abstrakten Überlegung betreffs des Übergangs von einem ruhenden Bezugsystem zu einem bewegten Bezugssystem und die Galilei-Transformation verworfen wird, so geht die Kirche nunmal von jenen 3 Dogmen aus (s. in www.meditationsstrit-91-19i.de ; https://www.meditationsstreit-91-19i.de/2x_jesus_christus__jesus_von_nazareth.html)
Allerdings hat man in den kirchlichen Lehren, mit Ausnahme bei Franz von Asissi (inkl. dessen Heiligsprechung) und evtl einigen Anderen, wenig Sinn für ein klares Nein zur Gewalt gegen Tiere, Pflanzen, Insekten und die Natur im Allgemeinen.
Der Ansatz der Kirche ist dabei sicherlich ein Anderer wie der der Physik; allerdings führt der Ansatz der Kirche am Ende wenigstens zu einer doch gewissen Betonung der "friedlichen Mittel" sowie Franz von Asissi's "Sonnengesang" und widerspricht damit Buddha, Shankara und Anderen zu allermindest nicht ganz grundsätzlich.
Nun könnten wiederum falsche Taten im Sonnensystem B zu massiven Albträumen führen usw usf. Insofern ist ein Ausweg aus dem Leiden per Nicht-friedlicher Mittel unerreichbar. Die Wahrheit der Welt kann eben nur erreicht werden, wenn man sich im Leben auf die "friedlichen" Mittel beschränkt, da sonst in der Folge wieder "Albträume" kommen könnten.
Der Ausweg ist nunmal nur per Erkenntnis der Natur der Welt zu erlangen und da kommen nunmal Gesetze des Geistes herein und somit die Überlegungen welche Buddha, Shankara usw zu ihren Ergebnissen führten. Voreingenommenheiten, unfaire Haltung, begrenzte Sichtweisen usw widersprechen nunmal der Chance auf die den/einen Ausweg mit sich bringende Erkenntnis, weil man seine Suchrichtungen falsch einschränkt.
iii) Mandukya-Upanishade und Gaudapada's Karika:
Diese Upanishade und des Herrn Gaudapada's Kommentar dazu (auch Shankara schrieb einen Kommentar dazu, notabene; s. Swami Nikihalananda's Werke) fallen durch die sehr formalen Überlegungen auf.
Es wird ausführlich auf Träumen, Wachen, Schlafen und jenes Vierte, das Turiya eingegangen. Angesichts meines ersten Ansatzes zu diesem Abschnitt IV/5 "Karma sowie Geburt und Wiedergeburt in naturwissenschaftlich-mathematischer Sichtweise" scheint mir dieser Hinweis angebracht zu sein.
Prof. Dr. Deussen hat diese Upanishade samt Gaudapada's Karika dankenswerterweise im Rahmen seiner "Sechzig Upanishads des Veda" aus dem Sanskrit ins Deutsche übersetzt.
Diese Upanishade ist Online lesbar via Suchbegriff "Vorrede zu Sechzig Upanishads des Veda
Deussen, Paul 1845-1919; Zimmermann, Hans" via der Bayerischen Staatsbibliothek München ( https:/ /www.bsb-muenchen.de ); zumindest etliche Teile daraus sind so Online lesbar.
Swami Nikihalananda widerum bescheinigt Professor Deussen, daß er das Sanskrit von allen westlichen Indologen wohl am Flüssigsten und Besten sprach; er habe fließend Sanskrit gesprochen.
(vgl.: Nikhilananda, Swami ,"Vivekananda Leben und Werk" von Swami Nikhilananda, Drei Eichen Verlag München 60 + Engelberg /Schweiz, deutsche Bearbeitung von Spengler-Zomak aus dem Jahre 1972 )
Karma gemäß "Halle aller Religionen - der sanatana dharma":
Viertes Kapitel.
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Viertes Kapitel.
DAS KARMAN 1).
Das Gesetz des Karman.
Karman ist die Vibration der Prakṛiti, der Urmaterie, die das Ergebnis ihrer drei Guṇa's, der Schöpfungsprinzipien ist. Es verhält sich wie Ursache und Wirkung, wie Same und Sproß. Des Karman Same ist das Saṃskāra. Karman und Saṃskāra sind zweierlei Art, rein und unrein. In der der Karma-mīmāṃsā-Philosophie wird gelehrt, daß das reine Karman die Ursache von des Menschen Erlösung, dagegen das unreine Karman die ursache seines Fesselung ist. Durch logische Beweisgründe wurde in diesem philosophischen System erwiesen, daß die die Reinigung von Saṃskāra zu der Reinigung von Karman und diese wieder zur Befreiung führt ²).
Karma-yajña als rituale oder Opferhandlung wurde ausführlich behandelt in dem Pūrva-mīmāṃsā-System des Jaimini. Aber Karman in umfassendem Sinne jeder und aller Handlungen ist nirgendwo abgehandelt als eigener Gegenstand in den bekannten Werken. Dieser Gegenstand bildet eine besondere Studie in der Pūrva-mīmāṃsā von Bharadvāja. Wir fassen diese Lehren hier kurz zusammen, um zu zeigen, wie radikal, wie weitreichend, wie unvergleichlich tiefgründig die Ansicht über Karman ist, wie sie die Śāstra's bieten.
Die ganze Schöpfung stammt vom Wirken des Karman. Von Ewigkeiten her ruht sie in Karman und geht ihrer Vernichtung entgegen durch Karman. Jegliches Leben im Makrokosmos und Mikrokosmos, von der unscheinbarsten Vegetation bis zum höchstentwickelten Menschen, im allgemeinen und besonderen, ist ein Spiel des Karman. Die göttliche Macht ist Karman. Gott selbst ist dem Karman untertan. Was ist dieses allmächtige Karman? Wie tritt es in die Existenz? Wie können individuelle Seelen, das Karman besiegend, Erlösung erlangen?
Die Veda's sagen, Karman und Brahman sind ein und dasselbe. Tatsächlich ist kein Unterschied zwischen Karman und göttlicher Macht. Alles, von dem unbedeutenden Strohhalm bis zu dem vielgestaltigen, weiten Universum, jede dualistische Existenz, die wir sehen, ist dem Karman unterworfen. Das Erscheinen des Manifestierten aus dem Unmanifestierten hat Karman zu seiner Ursache. Karman gibt seine offenkundige Wirksamkeit dem Sattva und Tamas, durch die Dharma und Adharma charakterisiert werden, so daß Karman das Geheimnis von Dharma und Adharma ist.
Das Karma wirkt in drei Arten: Sahaja-karman ist das selbstätige, spontane Karman; Aiśa-karman ist das göttliche, das Karman der Jenseitswelt; das Jaiva-karman ist das Karman der individuellen Seele, das in reines und unreines Karman geteilt wird. Die sechs Einteilungen des reinen Jaiva-karman sind im vorausgehenden Kapitel erwähnt. Das Sahaja-karman ist die Quelle der in Erscheinung tretenden vierzehn Welten, der Schöpfung als Gesamtheit, bewegliche und unbeweglche Dinge umfassend, des Brahmāṇḍa³) oder des Weltsystems, das eine unendliche Verschiedenheit von Manifestationen der vier Arten der Bhūtasaṃga's - der vier Schöpfungsstufen - Udbhijja, Svedaja, Aṇḍaja, Jarāyuja ist.
Das Jaiva-karman tritt auf, wo Wesen wirken in der sterblichen Welt, in den verschiedenen höheren und niederen Zuständen des Menschen, in Verbindung mit den Welten der Vergeltung - Himmeln und Höllen, göttlichen und dämonischen Kräften.
Das Sahaja-karman ist absolut, aber in seinem Wirken untertan dem göttlichen Willen. Das Jaiva-karman ist in seinem Wirken der individuellen Seele untertan. Auf das Sahaja-karman hat die individuelle Seele keine Macht, wohl aber über ihr eigenes Karman, so daß die einzelnenen Seelen verantwortlich sind in bezug auf ihr Puṇya und Pāpa, ihre rechten und unrechten Handlungen und Lohn oder Strafe.
Das Aiśa- oder göttliche Karman, der Jenseitswelt angehörend, ist darin einzig, daß es zusammen arbeitet mit dem Sahaja- oder dem Jaiva-karman. Auch die göttlichen Inkarnationen offenbaren dies Karman. Sie erscheinen in fünf Manifestationen als ādhyātmika, ādhidaivika, ādhibhautika, zu zweien, zu dreien und zu mehreren. Diese Inkarnationen sind partiell oder voll, Āveśāvatāra oder Possessions-Inkarnation genannt. Alle fallen unter das Aiśa-karman und damit unter die Jenseitswelt. Wenn die Daivī- oder Göttermacht der Asura- oder Dämonenwelt untertänig wird, wenn die Guten durch die Bösen leiden, wenn der Dharma schwach wird, die Menschen Gott vergessen, und sinnlichen Lüsten frönen, dann offenbart sich der Herr in Inkarnationen.
Hier ist noch etwas zu erwähnen. Der springende Punkt in der Dreiteilung von Karman liegt in dem Saṃskāra, was wiedergegeben werden kann als der spontane latente Impuls, "spontaneous latent impulse". Dieser latente Impuls ist des Karman Same. In der Erscheinung der makrokosmischen und der mikrokosmischen Schöpfung wird der Zustand der individuellen Seele manifest durch Cijjaḍagranthi 4), die Verknotung des Cit oder des Lebensbewußtseins. mit dem Jaḍa oder Unbewußtsein. Hier liegt die Quelle, aus der das Erscheinen des latenten Impulses, des Saṃskāra, entspringt. Der latente Impuls ist der Wurzelgrund der Schöpfung. Saṃskāra ist zweifach, prākṛta oder urgründig und aprākṛta oder unurgründig. Jener wird rein, natürlich; dieser unrein, gezwungen genannt. Der erste Impuls führt zu Mokṣa (Befreiung), der zweite zur Bindung. Der Prākṛta-Impuls verleiht dreifache Reinigung. Der urgündige Prākṛta-oder Svābhāvika-Impuls, der zu Mukti (Erlösung) führt, ist manifest in sechzehn göttlichen Phasen, die gleich Wegstationen sind, wo neue Energien verausgabt werden. Dies ist der Saṃskāra der Veda's. Mit Hilfe dieser sechzehn Phasen schirmten die arischen Seher die Reinheit der arischen Klassen, indem sie ebenso viele Reinigungsriten vorschrieben. Der Asvābhāvika- oder der gezwungene Impuls hält die Seele in Fesseln; unzählig sind die Bedingungen und Umstände, welche die Fesselung herbeiführen.
Die Asvābhāvika-Impulse sind unendlich an Manigfaltigkeit. Wo Spielraum ist für den prākṛtischen Saṃskāra, gewährt er dem Menschen Macht, Reinheit und Freiheit in langem Lauf. Dies ist das Geheimnis der sechzehn Reinigungsriten der Veda-Saṃskāra's.
Die göttliche Macht wogt durch diese Reinigungsriten und führt sie zu sich, selbst mit Hilfe ebenderselben Saṃskāra's, die diese Phasen repärsentieren.
Die sechzehn Reinigungsriten sind:
Garbhādhāna (Konzeption);
Puṃsavan (männliche Nachkommenschaft);
Sīmantonnayana (Scheiteln der Haare der Mutter);
Jāta-Karman (Geburtsritus);
Nāmakāraṇa (Namensgebung);
Annaprāśana (das erste Mahl);
Cūḍā-Karman (Haarschopfzeremonie);
Upanayana (Einführung zum Guru);
Brahmavrata (Brahmanengelübde);
Vedavrata (Vedagelübde);
Samāvartana (Heimkehr);
Udvāha (Heirat);
Agnyādhāna (das heilige Herdfeuer);
Dīkṣā (die Weihe);
Mahāvrata (das große Gelübde);
Saṃnyāsa (Weltentsagung) 5);
Die anderen Saṃskāra's, als Purifikationsriten, die außerdem in den Veda's, Smṛti's, Purāṇa's, Tantras vorgeschrieben werden, sind in diesen sechzehn enthalten. Die ersten acht sind Pravṛttirodhaka (Hemmer der bösen Neigungen), die anderen acht sind Nirvṛttipoṣaka (Pfleger der Entsagung). Darum sagen die Veda's, daß der Saṃnyāsin (Asket),der Meister von Ātmajñāna (Erkenntnis des Selbst), von den Göttern geehrt wird. Insoweit ist der Prākṛtika-saṃskāra, der sich aslo manifestiert, ganz und voll der Verleiher der Befreiung für den Menschen.
Der natürliche Impuls liegt an der Wurzel des spontanen Karman, der erzwungene an der Wurzel des individuellen Karman. Beide werden im Aiśa-karman vereint. Durch sie treten die Individuen in die Erscheinung und gelangen zur Befreiung. Die Reinheit durch die Reinigungsriten verhilft zu Mukti (Erlösung). Durch die Reinheit, die durch diese Riten erlangt wird, läutert sich das Karman und führt zu Kaivalya 6) (dem absoluten Sein). Der Same vom Baum, der Baum vom Samen, das ist der ewige Kreislauf. Ihm ähnlich ist der Lauf der Schöpfung. Aber gerade wie der geröstete Same nicht fürder sproßt, so bewegen sich die Reinigungsriten, die individuellen Impulse, die gleich dem gerösteten Samen sind, nicht mehr in dem Kreislaufe von Ursache und Wirkung und führen zu Mukti (Erlösung) 7).
Es verhält sich so: Die Urmaterie, die Prakṛiti besteht aus den drei kosmischen Prinzipien, den Guna's 8). Eine Vibration veranlaßt das Auftreten des Karman, das darum selbsttätig oder sahaja genannt wird. Der Saṃskāra-Impuls ist der Same, Karman der Sproß. Wenn der Impuls verschwindet, wie könnte da Karman in Erscheinung treten? Das selbsttätige Karman, aus Prakṛiti entstanden, ist der Grund der Schöpfung der Individuen, wie auch ihrer endlichen Befreiung; das inidviduelle Karman dagegen bewirkt Fesselung.
Solange also das individuelle Karman nicht zu dem segenvollen natürlichen Zustand gelangt durch Hilfe der Veda-Reinigungsriten oder durch Hilfe eines der erwähnten Glieder des Dharma, wird es unvermeidlich ein Hindernis auf dem Weg zur Befreiung sein. In dem heiligen Svābhāvika-prakṛitika-saṃskāra, dem natürlichen, urgründigen Impuls, so segensreich für alle, liegt die überragende Kraft des Dharma und sein stufenmäßiger, glückverheißender Weg, der in Befreiung gipfelt. Das göttliche Wesen durchdringt die Reinigungsriten. Es soll bemerkt werden, daß die sechzehn vedischen Saṃskāra's nur für die Anhänger des Veda gelten. Die Anhänger anderer Credo's gelangen zur Freiheit durch Hilfe des Sādhāraṇa-dharma (allgemeiner Dharma).
Für Frauen ist der Dharma der Keuschheit in sich selbst hinreichend, die Reinheit zu bewirken, die sonst aus den Reinigungsriten fließt. Für Männer gilt das gleiche in Erfüllung der Pflichten des Varṇāśrama (Kasten und Stufen des Lebens), die zur Reinheit führen. Dies aber sind Svābhāvika-dharma's (natürliche) für Männer und Frauen. Durch die Erfüllung des Varṇāśrama-dharma für Männer und Satidharma 9) für Frauen erlangen beide materielles und geistiges Wohl, wie auch Kaivalya. Beide bringen die dreifache Reinheit und wirken durch Hilfe des prakṛitikischen Saṃskāra (natürlicher Impuls), die beide Geschlechter zu ihrem Ziele hinführen.
Das Weib das in Keuschheit feststeht, identifiziert sich so sehr mit ihrem Ehemanne, daß sie nach langdauernden Himmelsfreuden ihr Geschlecht ändert und ein Mann wird.
[*) Anmerkung des Verfassers dieser Webseite am Ende dieses Kapitels]
Der Mann, der die Reinigung durch Erfüllung des Varṇā-dharma (Kaste) durchmacht, seine Neigungen durch die ersten acht Riten bezähmt, Entsagung übt durch die anderen acht, gewinnt die nie endende Seligkeit des Mokṣa (Erlösung). Das ist das höchste geistige Geheimnis.
Was die in Erscheinung tretende Manifestation der Schöpfung anbelangt, wirkt das Karman folgendermaßen. Die Prakṛiti (Urmaterie) gelangt durch ihre eigene Kraft zur Vibration, die zur Evolution führt. Diese Vibrationsbewegung reflektiert sich im göttlichen Sein. Durch die Evolution der drei Prinzipien von Prakṛiti 10) ensteht Avidyā (Unwissenheit) durch die Tamas-Vibration. Vidyā (Wissen) durch die Sattva-Vibration. Als Wirkung der Avidyā entstehen die individuellen Seelen, gleichsam Gottes eigene Manifestation, und zwar durch das Verknoten von Cit (des Bewußten) mit Jaḍa (dem Unbewußten). Und dies geschieht durch die Interaktion jener durcheinander wirrenden Vibrationen, wo die Individuen erscheinen wie Mondreflexionen in Wasserwogen, ineinander greifend, aufeinander wallend, sich vermischend wie in zahllosen Spiegeln. So folgt eine Unendlichkeit von Einzelseelen, anfangslos, endlos. Dann entsteht der Svābhāvika-saṃskāra (der natürliche Impuls) und manifestiert die Schöpfung des Beweglichen und Unbeweglichen durch das Sahaja-karman, das zur Expansion der Gesamtschöpfung führt.
Wenn nun der Jīva (Die Seele als Lebewesen) vollkommenes Sein im Menschentum erreicht, beginnt das Jaiva-karman. Dann wälzt der Strom des Asvābhāvika-saṃskāra (des Zwangimpulses) den Kreislauf von Geburt und Tod dahin mit der Überfülle des dreifachen Leidens 11) und der Verwickelung mannigfaltiger Universalmanifestationen. Alle Welten, Nraka-, Preta-, Pitṛ-, Svarga-,Karma-bhūmi's (letzteres ist unsere Welt des Sterbens) 12) evolvieren sich wegen des individuellen Karman. Vierzehn Welten, sieben obere, sieben untere, bieten dem Jīva ihre Bhoga's (Genüsse) als Leiden und Freuden dar.
Vidyā (Wissen) charakterisiert im vollkommenen Sattva, verleiht dem Aiśa-karman den höchsten Herrn eine gleiche Abwechslungsfülle, das Sahaja-karman wie auch das Jīva-karman stützend. Avidyā (Nicht-Wissen) besteht nicht vor Vidyā (Wissen), das nur im reinen Sattva ist. Der Herr, von Vidyā bedient, hält die Ordnung der Schöpfung aufrecht, Erhaltung und Zerstörung, obwohl er ein unbeteiligter Zuschauer aller Einzelseelen ist. So ist die göttliche Macht zu nehmen, insofern sie Lenkerin des Universums ist, die alle zur Seligkeit führt. Karman entstehend aus Prakṛiti (Urmaterie) ist jaḍātmika (unbewußt). Darum erfordern alle drei Arten des Karman die Hilfe der Devatā's (Gottheiten). Das Sahaja-Karman ist vollständig in der Gewalt der Prakṛiti und hängt deshalb gänzlich von den Devatā's (Gottheiten) ab. Das Jaiva-karman fängt eohl von der Prakṛiti der Seelen ab, aber halb und halb können die Devatā's es beeinflussen. Sie lenken des Menschen Prārabdha-karman (das Karman der Vergeltung). Jeder ist natürlich verantwortlich für seine Kriyamāna's (seine positiven Handlungen). Aber die Deva's (Götter), wirken unter gleichem Einfluß, inkarnieren sich selbst und stützen das Aiśa-karman oder sind Helfer bei den göttlichen Inkarnationen. Unerforschlich ist des Karman Lauf. Weit und vielgestaltig ist des Karman Reich. Karman ist der Urheber zahlloser makrokosmischer und mikrokosmischer Welten. Die Frommen und die Wisser kennen den Lauf des Karman und sie erreichen die göttliche Gegenwart.
Zwei Wege liegen vor den Indiviuduum, der von Tamas (auf Unwissen gegründet) und der von Sattva (auf Wissen gegründet), die auch unreines und reines Karman heißen. Der erste Weg geht von Adharma aus und führt zur Degradation; der andere führt im Verein mit der starken Kraft des Dharma zum bwußten Sein höher und höher hinan. Selbst die Deva's (Götter), die der Versuchung unterworfen sind, können von dem Höhenwege stürzen; wenn sei aber darauf verharren, erreichen sie das Höchste sorgenlos.
Mit dem Karman sind zwei Kräfte eng verknüpft, Anziehung und Abstoßung. Die Anziehung, mit Anhaftung als Grund, stammt von Rajas. Die Abstoßung, mit Abneigung als Grund, stammt von Tamas. Jegliches Schöpfungsgebild, ob klein oder groß, unterliegt diesen Kräften. Wo das Gleichgewicht zwischen beiden herrscht, entsteht das Reich der Freude, in dem Sattva als mächtiger Faktor auftritt. Die göttliche Manifestation verharrt immer in diesem Sattva. Die Individualität der Jīva's (Lebewesen) wird bedingt durch den Zustand der Gebundenheit in der ungleichen Kombination dieser zwei Kräfte. Der dritte Zustand des Sattva führt zu Mukti (Erlösung), frei von Neigung und Abneigung, weil es der Macht entstammt, die über Gegensätze erhaben ist. Jenseits des Reiches der Gegensätze, frei von Neigung und Abneigung, begierdelos, gehn jene, die sich dem Karman weihen, unfehlbar dem herrlichen Ziele der Seligkeit entgegen. Bei Ausschaltung der Begierde in Vollbringung seiner Handlungen, erlangt man die Reinheit durch die Reinigungsriten. Die Handlung wird rein, und durch die Reinheit der Handlung verschwindet Avidyā (Unwissen). So wird der Knoten des Bewußten und Unbewußten, durch das Unwissen geschlungen, mit Hilfe der Vidyā (des Wissens) gelöst. Durch seine Entwirrung wird das Individuum zum höchsten Herrn.
Der Strom des Karman, anfanglos und endlos, den Makrokosmos wie den Mikrokosmos durchflutend, hört nimmer auf zu wogen, solange der Jīva nach Genuß dürstet. Diese Fesselung wrid anders nie gelöst als durch Ausrottung des Impulses, der des Karman Same ist. Das wird bewerkstelligt durch das Gelübde der Begierdelosigkeit. Einer, der sich der Liebe des Göttlich-Einen hingibt, der zu dem Göttlichen seine Zuflucht nimmt, der überwindet die Begierde. Offenbar müssen jene, die das Karman lieben und nicht das Göttliche, in Fesseln schmachten, während die, die das Göttliche lieben, Kaivalya (Isoliertheit) erreichen.
Was die Jīva's an die weltliche Existenz bindet, ist das Wirken der Gegenkräfte von Anziehung und Abstoßung. Das Dvandva (Zweiheit) ist der Grund der Bindung, während der Ekatattva (Einheit) der Grund der Mukti (Befreiung) ist. Freiheit von Begierde durch die Liebe zum Göttlichen geht ins Streben nach Mokśa (Erlösung) über. Der Same des Impulses wird zum gerösteten Korn, und die Raktabīja-Form des Karman erlischt 13). Die individuelle Natur geht auf in der göttlichen Seligkeit. Die göttliche Prakṛiti wird Vidyā für den Jīva und verleiht ihm Kaivalya (Isoliertheit). Aktion wird begleitet von Reaktion, die unvermeidlich, unausweichlich ist. In bezug auf seine Wirkung ist sie unfehlbar. Daraus folgt, daß die Anhäufungen des Karman niemals null und nichtig werden, selbst nicht bei dem Individuum das mukta (befreit) ist. Diese Anhäufungen des Karman-Impulses, die in den Cidākāśa (Kollektivbewußtsein) jeglicher Schöpfung eintreten, stützen das Sahaja- und das Aiśa-karman 14). Karman ist meistens unbesieglich; jedes Wesen, jeder Glaube unterliegt der Macht des Karman. Die Deva's, selbst das höchste Wesen, sind an das Karman gefesselt durch die Inkarnationen, so daß selbst die Mukta-jīva's (die befreiten Seelen) nicht dem Karman entgehen, das einmal in Wirkung getreten ist. Solch ein Karman wird immer seine Folgen auf den Täter abwälzen. Der Unterschied besteht darin, daß die Mukta's, die frei von Begierde sind, Helfer des selbsttätigen, des Sahaja-karman werden. Sie dienen den Absichten der Deva's, indem sie das Sahaja-karman stützen, das durch jene wirkt. Die Mukta's (Erlösten) sind nicht mehr dem Leiden unterworfen; aber in Einklang mit ihren früheren Neigungen fallen ihre Energien mit dem Aiśa-karman zusammen, sodaß sie zum Wohle der ganzen Schöpfung mitwirken. Solange der Körper besteht, wirkt auch das Karman, mag es nun ein Bhakta (Gläubiger, Liebender) oder ein Nāstika (ein Ungläubiger, Atheist) sein 15). Eine klare Einsicht haben jene, die in getreuer Erfüllung des Karman sich ganz Gott weihen. Sie sehen Karman in dem Fernsein von Karman, und das Fernsein von Karman in dem Dasein des Karman. So gelangen sie zur Einheit mit dem Göttlichen, das Karman auswirkend, das frei sein muß von jeglicher Anhaftung.
Wenn sie nun Karman ausüben im Geiste der Begierdelosigkeit, wird Karman zu Akarman (Nicht-Karman). Wo nur die körperliche Handlung zum Stillstand kommt, aber Begierde bleibt, da bleibt das Karman, wenn es auch äußerlich nicht in Erscheinung tritt. Jene, die das Karman in Erkenntnis dieser Wahrheiten ausüben, werden frei von Fesselung.
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Indiens Religion, der Sanātana-Dharma, Eine Darstellung des Hinduismus, übersetzt und erläutert vom Kapuziner-Pater Pater Josef Abs, erschienen bei Kurt Schroeder in Bonn/Leipzig, Seite 24 bis 31
*) die im Text angekündigte Anmerkung des Verfassers dieser Webseite am Ende dieses Kapitels:
Nunja, das ist etwas befremdlich, daß die Erfüllung einer Frau, bei korrektem Leben des "Dharma für Frauen" schließlich zu einem Mann werde.
Zweifelsohne gilt die Überlieferung, wonach Gott Vishnu sich auch mal als Frau, nämlich als Mohini, auf Erden verkörpert habe. Insofern wäre ein Lebewesen was jenseits von männlich und weiblich ist, das Ziel von Dharma. Im Sinne von "Nicht-Verhaftetsein" in die Veränderlichkeiten des materiellen Lebens, stimmt das zweifelsohne.
Ansonsten ist evtl auch lediglich die Naturgesetztlichkeit der "Wechseljahre" bei einer Frau gemeint, was eben auch wieder zeigt, daß das Leben einer Frau nie&nimmer identisch sein kann mit der Fähigkeit Kinder zur Welt zu bringen.
Es kann sich hier aber auch schlichtweg um eine Übersetzungsungenauigkeit oder auch einen Übersetzungsfehler handeln:
Das englische Wort "men" hat als Bedeutung nicht nur den Plural von "man", dh "Mann"; es wird auch, geschlechtsneutral, für "Leute", "Mensch", "Menschen" benutzt.
vgl. zB auch in den Online-Lexika von Cambridge( https:/ /dictionary.cambridge.org/dictionary/english-german/man?q=men ), Oxford ( https:/ /www.lexico.com/definition/man) auch Langenscheidt ( https:/ /en.langenscheidt.com/english-german/men) und Pons (https:/ /en.langenscheidt.com/english-german/men).
Insofern wird in "hall of all religions" wohl ausgedrückt, daß eine Frau eben nicht nur weiblich ist und ein Mann nicht nur "männlich" und daß es eben auf eine faire Sicht auf beide und fairer Umgang der Geschlechter miteinander geht und darüberhinaus um das "Wesentliche", das "Höchste", das "Unveränderliche".
Im Bereich der frühen buddhistischen Schriften findet man da Aussagen wie:
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"Und der Erhabene," berichtet die Tradition, "sprach zu den fünf Jüngern" also:
"Die Körperlichkeit, ihr Jünger, ist nicht das Selbst. Wäre die Körperlichkeit das Selbst, ihr Jünger, so könnte diese Körperlichkeit nicht der Krankheit unterworfen sein, und man müßte bei der Körperlichkeit sagen können: so soll mein Körper sein; so soll mein Körper nicht sein. Da aber, ihr Jünger, die Körperlichkeit nicht das Selbst ist, deshalb ist die Körperlichkeit der Krankheit unterworfen, und man kann bei der Körperlichkeit nicht sagen: so soll mein Körper sein; so soll mein Körper nicht sein.
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Seite 239 in "Buddha, Sein Leben Seine Lehre, Seine Gemeinde" von Hermann Oldenberg, siebente Auflage, Stuttgart und Berlin 1920, J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger.
oder etwa auch:
Überlieferung der Lehren des Buddha:
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95. Das todlose Reich
Udāna VIII, 1-4
So hab‘ ich es gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthī im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapiṇḍika. Damals aber belehrte, ermahnte, ermunterte und erfreute der Erhabene die Mönche durch eine Rede über das Nibbāna. Und die Mönche hörten die Lehre aufmerksamen Ohres, indem sie Acht gaben, es sich vergegenwärtigten und alle Gedanken zusammennahmen.
Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:
" Es ist, ihr Mönche, jenes Reich, wo nicht Erde noch Wasser ist, nicht Feuer noch Luft, nicht unendliches Raumgebiet, noch unendliches Bewussteseinsgebiet, nicht das Gebiet der Nichtirgendetwasheit, noch das Gebiet der Wahrnehmung und auch nicht Nicht-Wahrnehmung, nicht diese Welt noch eine andere Welt, nicht beide, Sonne und Mond. Das, ihr Mönche, nenne ich weder Kommen noch Gehen noch Stehen noch Vergehen noch Entstehen. Ohne Stützpunkt, ohne Anfang, ohne Grundlage ist das; eben dies ist das Ende des Leidens."
„Schwer zu sehen, wahrlich eben ist das Nicht-Ich, nicht leicht zu begreifen ist ja die Wahrheit; überwunden ist der ‚Durst‘ für den Wissenden; für den Schauenden ist nicht irgend etwas."
" Es gibt ihr Mönche ein nicht Geborenes, nicht Gewordenes, nicht Geschaffenes, nicht Gestaltetes.
Wenn es, ihr Mönche, dieses nicht Geborene, nicht Gewordene, nicht Geschaffene, nicht Gestaltete nicht gäbe, dann wäre hier ein Entrinnen aus dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen, Gestalteten nicht zu erkennen. Weil es nun aber, ihr Mönche, ein nicht Geborenes, nicht Gewordenes, nicht Geschaffenes, nicht Gestaltetes gibt, darum läßt sich ein Entrinnen aus dem dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen, Gestalteten erkennen."
„Für das, was abhängig ist, gibt es auch Bewegung; für das, was nicht abhängig ist, gibt es keine Bewegung; wo keine Bewegung ist, ist Ruhe; wo Ruhe ist, ist kein Verlangen; wo kein Verlangen ist, ist kein Kommen und Gehen; wo kein Kommen und Gehen ist, ist kein Vergehen und Neuentstehen; wo kein Vergehen und Neuentstehen ist, ist weder ein Hinieden noch ein Jenseits noch (ein Etwas) zwischen beiden; eben dies ist das Ende des Leidens."
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siehe Seite 130 in "Pāli-Buddhismus in Übersetzungen - Texte aus dem Buddhistischen Pāli-Kanon und dem Kammavāca", aus dem Pāli übersetzt nebst Erläuterungen und einer Tabelle, von Karl Seidenstücker, zweite vermehrte und verbesserte Auflage, 4. bis 8. Tausend, Oskar Schloss Verlag München-Neubiberg, 1923, Druck von W. Hoppe in Borsdorf-Leipzig):
- Ende dieser Anmerkung des Verfassers dieser Webseite
Auch zu beachten sind die anderen Kapitel im Buch von Pater Josef Abs "Halle aller Religionen - der sanatana Dharma", 1923, Kurt-Schröderverlag, wo sich auch eine Erläuterung zum Begriff des Dharama findet.
Teile sind auch zu finden in:https://klassische-indische-texte-91-19i.de/hall_of_all_religions.html